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Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Essay von Karin Jundt

Der Körper stirbt und zerfällt, das ist uns allen klar. Somit muss die Frage präziser lauten: Gibt es einen Teil von uns, der den körperlichen Tod überdauert?
Glauben wir nicht an ein solches unsterbliches Element, erübrigt sich die Frage zum Leben nach dem Tod. Wir gehen deshalb in den nachfolgenden Betrachtungen davon aus, dass wir etwas Unsterbliches besitzen, und wir nennen es hier Seele (man könnte es auch als Bewusstsein, Geist, Selbst oder anders bezeichnen – die Terminologie ist nicht wichtig).

Was ist also diese Seele und was geschieht mit ihr, nachdem der Körper gestorben ist? Religionen und Philosophien haben sich seit jeher damit beschäftigt und eine Vielzahl von Erklärungen geliefert. Warum fragen sich dann Menschen auch heute noch, was nach ihrem Tod mit ihnen geschieht? Können sie keine der gängigen Theorien akzeptieren?
Es geht vielen wohl um einen Beweis, dass es überhaupt irgendwie weiter geht – man sagt ja immer, es sei noch keiner aus dem Jenseits zurückgekehrt und habe darüber berichtet... Und es geht darum, die Gewissheit zu erlangen, dass "drüben" nichts Schlimmes mit einem geschieht, und zu erfahren, wie wir uns im Diesseits verhalten sollen, damit es uns später im Jenseits nicht allzu schlecht ergehe.

Beweise gibt es – sofern wir als Beweis Berichte von Menschen anerkennen, die besondere Erfahrungen mit dem Tod, mit Seelen oder mit Wiedergeborenen gemacht haben. Streng wissenschaftliche Beweise, wie sie die Schulmedizin fordert, gibt es hingegen nicht. Aber: Vielleicht besitzt die Wissenschaft (noch) nicht die richtigen Instrumente, um diese Beweise zu erbringen – an von blossem Auge nicht erkennbare Bakterien glauben wir erst, seit es Mikroskope gibt. Oder: Die Definition von Beweis ist zu eng gefasst – die innere Erfahrung eines Menschen wird nicht als Beweis anerkannt, doch wo ist die Grenze zwischen Objektivität und Subjektivität?
Jedenfalls gibt es unzählige Berichte von Menschen, die Nahtodeserfahrungen gemacht haben, d.h. deren Körper klinisch tot und deren Seele bereits ins Jenseits hinübergetreten war, bevor sie dann reanimiert und in diese Welt zurückgeholt wurden. All diese Berichte sind inhaltlich sehr ähnlich, sieht man von sprachlichen Unterschieden ab, die darauf zurückzuführen sind, dass unsere Sprache zu ungenau ist und nicht über den geeigneten Wortschatz verfügt um solche Phänomene auszudrücken. Natürlich anerkennt die Schulmedizin diese Berichte nicht als Beweis und gibt ihre Erklärungen für die Erlebnisse klinisch Toter ab – doch diese lassen sich ebenso wenig beweisen!
Auch über den Kontakt mit den Seelen Verstorbener erzählen viele Menschen und fügen oft als Beweis dafür an, sie hätten etwas mitgeteilt bekommen, was sonst niemand wissen konnte. Die Wissenschaft bietet auch hier andere plausible Erklärungen – nicht mehr und nicht minder plausibel und nicht mehr und nicht minder beweisbar.
Am faszinierendsten sind wohl die Erinnerungen an vergangene Leben, die für die Wiedergeburt sprechen, wobei es gerade aus Ländern, in denen der Glaube an die Wiedergeburt weit verbreitet ist, tatsächlich beeindruckende Geschichten, besonders von Kindern, gibt.
Es muss aber auch erwähnt werden, dass auf all diesen Gebieten viel Unsinn geredet und geschrieben wird, und wir sollten uns davor hüten jede Einzelheit und jeden Bericht zu glauben!

Doch es gibt genügend ernst zu nehmende Anhaltspunkte dafür, dass die Seele nach dem Tod des Körpers weiterlebt.

Wie es weitergeht, wo die Seele genau hingeht und was sie dort macht – darüber gibt es zahlreiche verschiedene Ansichten, die sich zum Teil widersprechen. Am weitesten verbreitet ist auf der einen Seite die Vorstellung von einem Paradies/Fegefeuer/Hölle (im Christentum, Judentum und Islam), also eines Ortes, wo die Seele nach dem Tod des Körpers hinkommt und für ewige Zeiten verbleibt, bzw. dann vom einen zum anderen Ort wechselt (vom Fegefeuer ins Paradies); auf der anderen Seite die Vorstellung einer wiederholten Rückkehr der Seele mit einem neuen Körper (im Hinduismus und Buddhismus), wobei das Ziel der Seele darin besteht, aus diesem Kreislauf auszubrechen durch die Erleuchtung (oder Rückkehr zum Göttlichen oder wie man das nennen will) und damit für ewig erlöst zu sein vom Erdenleben, also ebenfalls in ein ewiges "Paradies" einzugehen.

Die Konsequenz für unser jetziges Leben bleibt sich gleich, unabhängig davon, an welches dieser beiden Modelle wir glauben: Gute Taten führen zu einem guten Leben nach dem Tod, schlechte Taten zu einem schlechten Leben nach dem Tod.

Wir können also auf dieser Welt nicht einfach so "daherleben"! Wir müssen uns bemühen, ein gutes Leben zu führen.
Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie leichtfertig auch Menschen, die von sich behaupten, an Gott oder eine Höhere Macht und an ein Leben nach dem Tod zu glauben, mit ihrem gegenwärtigen Leben umgehen, wie kurzsichtig sie handeln – als ob es tatsächlich nur dieses eine Leben im Diesseits gäbe.

3 existentielle Fragen:

Gibt es Gott?

Was ist der Sinn des Lebens?

Gibt es ein Leben nach dem Tod ?



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